Hatha Yoga


Hatha Yoga – der Beginn einer Bewusstseins-Revolution

Was haben Acro Yoga, Aerial Yoga, Anusara Yoga,  Ashtanga Yoga, Bikram Yoga, Dru Yoga, Flow Yoga, Forrest Yoga, Iyengar Yoga, Jivamukti Yoga, Kundalini Yoga, Power Yoga, Sivananda Yoga, Tri Yoga, Vinyasa Yoga, Wellness Yoga, Yin Yoga und noch viele andere der modernen Yogaformen gemeinsam? Sie alle stammen aus dem System des Hatha Yogas.

Man könnte sagen Hatha Yoga ist der Ursprung oder die Quelle aus dem all die neuen Yoga Formen schöpfen. Wir können Hatha Yoga auch als den Stamm der physischen Yogaformen begreifen und all die Yoga Variationen als Zweige und Verästelungen die stets weiter wachsen und wieder neue Triebe hervorbringen. Yoga ist in Bewegung, genauso wie die Erde auf der wir leben.

Hatha Yoga ist der Oberbegriff für alle Yogaformen in der wir die Einheit von Körper und Geist durch Mittel von körperlicher Bewegung suchen. Beim Hatha Yoga stehen die Asanas (oder auch Yogahaltungen oder Yoga Übungen genannt) zentral.

Das Wort Hatha aus dem Sanskrit verbindet die beiden Silben HA = Sonne und THA = Mond und verweist damit auf die Vereinigung von zwei Gegensätzen. Durch die bewusste Bewegung im Einklang mit dem eigenen Atemrhythmus beim Hatha Yoga versuchen wir mit all unserer Aufmerksamkeit in unseren Körper zu kommen und dadurch auch vollkommen im Hier und Jetzt anwesend zu sein.

„Yoga ist zu 99% Praxis und zu 1% Theorie“ (Sri Krishna Pattabhi Jois)

Genau genommen formt das Hatha Yoga einen Teil aus dem Astanga-Yoga. Zweitausend Jahre vor Christi Geburt hat Maharishi Patañjali den berühmten achtgliederigen Pfad des Yogas zum ersten Mal niedergeschrieben und somit die gesamten Yogatheorie zum ersten Mal unter dem Namen Astanga Yoga zu Papier gebracht. Ashtanga bedeutet dabei achtgliederig. In Indien wird Astanga ohne h geschrieben, bei uns im Westen mit h, was vielleicht mit dem Werdegang der Bedeutung zu tun hat. Dazu mehr im Blog über Ashtanga-Yoga.

Zurück zu Patañjali: Dieser wird oft als der „Vater der Yogaphilosophie“ bezeichnet. Seine Yoga-Sutras sind die Grundlage des Yogas, so wie die Bibel die Grundlage des christlichen Glaubens ist. Wobei sich Yoga ausdrücklich als Lebensphilosophie versteht und nicht als Religion.

Die Geschichte des Yogas wird in Indien aber sogar noch viel weiter zurück datiert, die Schreiber der „Rigveda India“ erwähnen sogar eine Tradition von 25.000 jähriger Dauer. Damit wäre Yoga wohl wirklich die älteste menschliche Weisheitsschule. Dafür gibt es aber keine wissenschaftlichen Beweise wie wir sie heutzutage immer gerne haben wollen. Das liegt vor allem auch daran das Yoga bis zu Patañjali immer mündlich von einem Guru (Meister) an seinen Schüler weitergegeben wurde.

Überhaupt ist Yoga eine Erfahrungswissenschaft, man kann Yoga nicht begreifen wenn man nur darüber liest, man muss es praktizieren und ihm Leben einhauchen, erst dann kann es seine Wirkung in jedem Einzelnen entfalten. Das bringt auch der Yogi Pattabhi Jobs mit seinem o. g. Zitat zum Ausdruck.

Der lange Weg zur Erleuchtung

Der Gedankenstrom in unserem Kopf scheint nie zu stoppen und so entwickelten die Yogis vor wie viel Tausenden von Jahren auch immer die Asana’s, die für sie vor allem zur Körperertüchtigung dienten und als Vorbereitung zur Meditation. Meditation war für sie der Weg um zurück zur Einheit mit dem Brunnen oder der Quelle des Daseins zu kommen.

Die Yogaphilosophie geht davon aus das die gesamte Schöpfung in uns liegt und wir ein Teil und das ganze Universum zugleich sind. Die Weltenseele Brahman und Atman die individuelle Seele (das wahre Selbst) jedes einzelnen Menschen sind im Wesen eins. Wir leben auf der Erde im Zustand von Maya = in einer Illusion, und erfahren die Realität auf psychischer und mentaler Ebene verblendet. Das Ziel des Lebens ist diese Verwirrung zu überwinden und sich der Einheit wieder bewusst zu werden, dann erfahren wir laut des Yogas die Erlösung = Moksha.

Moksha könnten wir auch als Erleuchtung beschreiben, das heißt der Endzustand des achtgliederigen Pfades des Yogas = Samãdhi wäre damit erreicht.

Um dort hin zu kommen muss man aber erst alle Stufen dieses Pfades bewandeln.
Dabei muss man sich keine Treppe vorstellen, bei der man eine Stufe nach der nächsten erklimmt und so immer höher hinaus gelangt. Vor allem die ersten 5 Disziplinen werden parallel praktiziert, sie werden auch als Kriya-Yoga bezeichnet oder praktischer Yoga.

Hier eine Übersicht der ersten 5 Teile:

1. Yamas – der Umgang mit der Welt ausserhalb von mir als Person.

2. Niyamas – der Umgang mit mir selbst.

Die Yamas und die Niyamas sind ethische Verhaltensregeln die uns als Leitpfaden dienen können wie wir am besten zusammenleben, genauso wie die 10 Gebote. Dabei beschreiben die Yamas „Don’ts“ also Verhaltensweisen die wir am Besten unterlassen sollten so wie z.B. lügen und stehlen und die Niyamas „Do’s“ und damit Handlungsweisen welche wir mehr in unser Leben integrieren sollten so wie z.B. Zufriedenheit und Hingabe.

Du findest später aparte Artikel zu jedem einzelnen der 5 Yamas und der 5 Niyamas auf meinem Blog.

3. Asanas – der Umgang mit dem Körper.
Es gibt etwa 800 Asana’s oder Yoga – Haltungen, sie bilden die Grundlage des Hatha Yogas. Die Asana’s haben viele positive Auswirkungen auf unseren Körper: sie kräftigen ihn, machen ihn beweglicher und geschmeidiger und erhöhen unsere Energie, unsere Gesundheit und unsere Gelassenheit.

Die Praxis dieser körperlichen Yogaübungen diente letztendlich nur dazu um sich gut hinsetzen zu können und somit vom Körper ungestört meditieren zu können. Viele Menschen hier bei uns im Westen verstehen unter Yoga nur diesen einzigen Teil des Yogas, dabei ist er wie wir sehen nur ein Unterteil von acht Disziplinen des Yogapfades.

Werden die Asanas richtig ausgeführt sind Körper, Geist und Atem in Einklang. Die Asanas sollten immer mit Leichtigkeit und Freude ausgeführt werden. Kommt der Atem ins Stocken oder aus dem Gleichklang mit der Bewegung, so ist es keine Asana-Praxis mehr sondern mehr eine Turnübung.

Das macht auch den Unterschied zwischen Yoga und Sport aus. Während unserer Yogapraxis versuchen wir stets die Verbindung und Einheit von Atem, Bewegung, Körper und Geist zu behalten, wir sind mit unserer Aufmerksamkeit 100% bei dem was wir tun und erfahren dadurch den Zustand von Einheit und Entspannung in der Anspannung. Beim Trainieren auf dem Laufband ist es andererseits kein Problem nebenbei TV zu gucken oder Musik zu hören.

Ein zweiter Unterschied besteht in der Aktivierung des Parasymphatikus im Yoga und des Sympathikus im Sport. Darüber werde ich Dir in einem anderen Blogbeitrag berichten.

4. Pranayama: Der bewusste Umgang mit dem Atem.
Zu dieser Disziplin findest Du einen separaten Blogartikel, bei Interesse klick bitte hier.

5. Pratayahara: Der bewusste Umgang mit den Sinnen.
Auch zu diesem Teil werde ich einen separaten Beitrag verfassen.

Raja Yoga – der königliche Yoga

Nun kommen wir zu den letzten 3 Stufen, dem Umgang mit dem Geist.

Dieser Teil wird auch als der königliche Teil des Yogas bezeichnet, weil wir beim Praktizieren dieser Disziplinen wahrlich die Herrscher über unseren Geist und somit über unsere Gedanken werden können.

Menschen die sich dem Yoga verschreiben um echt zur Erleuchtung zu kommen konzentrieren ihre Energie vor allem auf diesen Bereich. Wir könnten zum besseren Verständnis salopp Yoga mit Fussball vergleichen und sagen, wer sich nur dem Hatha Yoga widmet spielt aus Spass an der Sache als Amateur im Verein in der Kreisklasse, wer sich auf Kriya-Yoga ausweitet wird langsam zum Profi und könnte sogar in die Bundesliga aufsteigen, während die Super-Profis in der Championsleague spielen.

Allerdings ist dieser Vergleich als absolut wertfrei zu verstehen, denn keine Yogapraxis ist besser als die andere. Es geht mehr um die Absicht oder die Intention mit der man sein Yoga verfolgt. Es ist nichts falsch daran, um nur zum Spass oder zum fitter werden auf die Matte zu gehen. Es ist jedoch gut zu wissen, dass es noch mehr zu entdecken gibt wenn man das möchte.

Zurück zum achtgliederigen Pfad:

Die 6. Stufe ist Dharana – die Konzentration.

Später wirst Du einen Blogartikel der sich in diesem Thema vertieft hier finden.

Die 7. Stufe ist Meditation.

Immer mehr Menschen suchen die Ruhe und Kraft der Stille durch Meditation. Ich beschreibe eine einfache Einführung in Meditation hier.

Natürlich gibt es Meditation nicht nur im Yoga sondern auch in vielen anderen Traditionen.
Du kannst auch ganz unkonventionell mit Meditation beginnen ohne die anderen Stufen des Yogapfades zu durchlaufen. Ich biete später einfache geführte Meditationen als Audiodatei unter Meditation an.

Die 8.Stufe ist Samadhi- die Erleuchtung, die Erlösung, die Einheit, die innere Freiheit… wie auch immer Du diesen Zustand beschreiben willst.

Diesen Zustand erreichen nur ganz wenige, aber es ist auch für Dich nicht unmöglich dort hinzukommen. Wenn Du das zu Deinem Lebensziel machst, kannst Du es erreichen, alles ist eine Frage des Fokus.

Bleib aber vor allem sanft im Umgang mit Dir selbst und denke immer daran: Der Weg ist das Ziel! Wenn Du krampfhaft nach Erleuchtung strebst, stehst Du Dir schon wieder selber im Wege, denn Du handelst dann nicht mehr in Übereinstimmung mit den Yamas und Niyamas.

Also nimms gelassen: geniesse einen einmaligen Atemzug nach dem anderen auf dieser deiner Lebensreise und lerne was Du zu lernen hast.
Die Yoga-Philosphie geht auch von Reinkarnation aus, d.h. wir kommen so lange zurück bis wir aus all unseren Erfahrungen gelernt haben und sich der Schleier auflöst. Also keine Eile 😉

Enjoy your way! Namaste, Alexa

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *