Yoga im Alltag: Perfektionismus Adieu


Yoga im Alltag: Die Kraft der Gedanken

Kennst Du den inneren Richter? Hast Du auch oft so eine überkritische Stimme in Deinem Kopf, die alles be- und verurteilt was Du tust? Dann ist es höchste Zeit dieser Stimme auf den Grund zu gehen und ihr den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Hier liest Du wie ich diesem inneren Kritiker begegne.

Der Wecker reisst mich aus dem Tiefschlaf… 6Uhr morgens, draussen ist es noch stockduster. Neben mir schläft meine Tochter, die nachts noch in mein Bett gekrochen kam. Es dauert einen Moment bis ich mich wieder darauf besinnen kann, warum der Wecker so früh klingelt. Es ist zwar Samstag Morgen und Wochenende, doch ich hatte mich dafür entschieden dieses Wochenende mit YinYoga zu verbringen.  Also raus aus den Federn.

Nach der Dusche und einem Glas lauwarmen Wasser trete ich in unseren kleinen Reihenhausgarten. Es ist kühl draussen, es ist fast Dezember. Der Mond scheint nur noch halb, aber doch erleuchtet sein Licht die Stille hier. Ich liebe diese Momente am frühen Morgen und dass obwohl ich wirklich kein Morgenmensch bin.

Gestern Abend wurde es wieder noch spät, erst saß ich am Computer um die Abrechnungen der Yogaschule zu aktualisieren und danach brauchte ich noch Zeit für mich, um mich mental  auf diese Mini-Reise vor zu bereiten. Mein Sohn hatte mich beim Abendbrot gefragt, wann ich morgens los fahren würde. Ich antwortete ihm, dass ich das nun noch nicht wüsste, denn ich lebe sehr im Moment. Gestern war noch gestern mit all seinen Schönheiten und Aufgaben.

Abends bevor ich schlafen gehe bereite ich mich dann auf den folgenden Tag vor. Ich schreibe mir auf was ich gerne am nächsten Tag tun möchte und was erledigt werden muss und vor allem auch was mein persönlicher Fokus für den neuen Tag ist. Danach meditiere ich noch um meinen Kopf auch von diesen Gedanken zu leeren und aus der Stille in den Schlaf gehen zu können.

Eins meiner wichtigsten Ziele für JEDEN Tag ist:

 Den Tag so geniessen wie er kommt

Denn er ist einmalig und kommt niemals wieder zurück. Und so probiere ich jeden Tag aufs neue ein kleines Fest von dem zu machen, was anliegt und was passiert. Einer meiner liebsten „Yogitee- Sprüche“ ist: „Every smile is an immidiate achievement.“

Daran versuche ich mich stets wieder zu erinnern, vor allem wenn ich merke, dass ich doch verkrampfe oder anfange mich zu stressen und an mir vorbei zu laufen.

Tief durchatmen und kurz über mich selber lachen, hilft immer wieder sofort

Ich bin von Natur aus ein Hektiker. Oder wie sie es im Ayurveda ausgedrückt werden würde: ein Vata-Typ. Vata bedeutet Luft und Menschen mit diesem Naturell können schwer am Boden bleiben.

In meinem Blog findest Du demnächst einen Artikel über die Doshas, wie die 3 Grundtypen der  Persönlichkeit genannt werden.

In der Kombination mit Pitta (Feuer) was meine zweite Eigenschaft ist, stehe ich eigentlich ständig unter Strom. Ich bin im Kopf schon ganz woanders als in meinem Körper. Daher ist Yoga umso wichtiger für mich. Es hilft mir tagtäglich wieder zu erden und ruhig und gelassen mit beiden Füßen fest auf dem Grund zu stehen.

Häufig will mein Kopf doch wieder noch schneller weiter, aber ein Glück habe ich mich über all die Jahre so gut kennengelernt, dass ich weiss, dass ich dann umso bewusster einen Gang langsamer einschalten muss oder sogar eben den Stillstand suche, bevor ich mich verrenne.

Trage die Sonne im Herzen

Während ich diese Zeilen notiere sitze ich im Schnellbus von Arnhem nach Ede-Wagingen. Ich lebe mit meiner Familie zur Zeit in den
Niederlanden und heute wird mal wieder an den Gleisen gearbeitet, wie häufig am Wochenende und so muss ich einen Teil der Strecke mit dem Bus zurücklegen. Normalerweise würde der Zug von Arnhem nach Utrecht durchfahren. Utrecht ist heute mein Ziel für den Yogaworkshop. Der Morgen heute ist wunderschön, es soll ein sonniger Tag werden.

In Gelderland, in dem Teil der Niederlande wo wir leben sind sonnige Tage die Ausnahme. Meistens vergeht kein Tag an dem es nicht mindestens einmal regnet. Als geborene Norddeutsche sollte ich damit kein Problem haben, aber mein Herz schlägt nun mal höher als die Sonne scheint.

Ich denke, dass es den Meisten von uns so geht und gerade in Gebieten wo es oft grau ist, ist es umso wichtiger die Sonne auch im eigenen Herzen zu tragen.

Yoga im Alltag_Yogalexa_Stilleabteil

 

 

Mittlerweile sitze ich im Intercity von Ede-Wageningen nach Utrecht.

Im Stille-Abteil ist ausser mir nur eine Frau, es ist herrlich so zu reisen.

 

 

Draussen liegt noch Nebel über den Feldern, aber man kann schon den blauen Himmel erkennen.

 

Yoga im Alltag_Yogalexa_Zug

Vertraue auf Deine Intuition

Als ich vorhin in Arnhem in den Bus umsteigen musste, bin ich doch wieder über meine eigene Unsicherheit gestolpert. Ich wohne in einem Vorort von Arnhem und muss erst mit der sogenannten Stoptrein, einem Vororts-Bummelzug der in jedem Dörfchen hält das auf dem Weg liegt, nach Arnhem kommen.

Als ich aus dem Zug stieg, wollte ich intuitiv nach links gehen und zum hinteren Ausgang, denn eigentlich weiss ich, dass dort die Zugersatz-Busse fahren. Wenn ich in Ruhe nachgedacht hätte, hätte ich mich daran erinnert…

Aber ich wurde abgelenkt durch das Morgenrot am Himmel und zwei Mädchen die sich darüber ereiferten, dass so viele Züge heute morgen nicht fahren. Yogalexa_Yoga im Alltag_Morgenröte

Komischerweise bin ich dann davon ausgegangen, dass sie schon wüssten wo ich hin müsste und habe sie nett gefragt wo die Busse fahren würden. Sie schickten mich in die andere Richtung und ich ging brav dort hin.

Während ich die Treppen nach unten ging kam mir noch ein umgedrehtes Schild kurz ins Sichtfeld, aber anstatt kurz darauf zu achten lief ich schnell weiter. Schliesslich wollte ich den Anschluss nicht verpassen. Beim Busbahnhof angelangt wurde mir schnell klar, dass ich hier falsch war. Natürlich fahren hier Busse, aber nicht der den ich suchte.

Nun war ich endlich dort wo ich hingehöre, wirklich an diesem Ort in diesem Moment.

Tja mal wieder an mir selber vorbeigerannt. Tief durchatmen und eben drüber lächeln, dass es schon wieder passiert ist.

Wenn wir uns nicht mit unseren Gedanken identifizieren und uns stattdessen mit einer guten Portion Humor selber beobachten können, verschaffen wir uns sofort neuen Raum in uns.

Anstatt sich über sich selbst zu ärgern, ist es doch so viel besser um sich selber nicht so ernst zu nehmen und kurz zu lächeln. Warum streben wir als Menschen immer wieder danach alles perfekt zu tun? Wo wir doch lebende Wesen sind, die in einer Welt leben, die sich ständig verändert…

Anstatt noch einen weiteren Gedanken an das eigene „Versagen“ zu verschwenden, ist es so viel effektiver das Geschehen abzuhaken, durchzuatmen und sich wieder auf den neuen Moment zu konzentrieren.

Das Leben steht nicht still, aber wir bleiben oft in unserem Kopf bei etwas hängen was schon lange vorbei ist

Auf diese Weise verpassen wir die Chance um bewusst im hier & jetzt zu leben und jeden Moment neu zu empfangen – aus völliger Leere heraus.

Wir können so viel von Kindern lernen, die noch ganz naiv durchs Leben gehen und noch nicht ständig an andere Dinge denken als die die sie gerade tun.

Sind Deine negativen Gedanken wirklich wahr???

Natürlich ist es auch gut um bestimmte Dinge zu planen, anders könnten wir unseren vollen Alltag gar nicht mehr absolvieren und kämen überall zu spät.

Und doch können wir versuchen etwas mehr Leichtigkeit in unser Sein zu bringen, allein durch Dinge zu belächeln anstatt zu kritisieren. Die Yoga-Philosophie lehrt uns, dass wir Gedanken haben aber das wir nicht unsere Gedanken sind. Wir können uns also von unseren Gedanken distanzieren, sie untersuchen und verändern.

Hierfür gibt es eine tolle Übung: Spreche mit Dir selber einen Zeitraum ab, in dem Du absolut keine negativen Gedanken zulässt. Beginne mit einer halben Stunde und probiere Dich dann täglich zu steigern.

Um die negativen Gedanken zu identifizieren musst Du Dich in die Position des inneren Beobachters begeben. Dadurch nimmst Du bewusst Abstand von dem Konzert in Deinem Kopf. Du registrierst allein  alles was so in Dir hoch kommt, wenn Du Dir selber bewusst zuhörst.

Am Besten nimmst Du Dir am Anfang echt bewusst eine halbe Stunde Zeit für Dich um die Übung zu machen. Sobald Du sie schon einigermassen verinnerlicht hast, kannst Du auch genauso gut in jeder Alltagssituation üben.

Für den Beginn ist es nützlich ein Notizbuch zu haben, in das Du Deine negativen Gedanken notieren kannst. Du kannst Dir auch einen Wecker für den Zeitraum von 30 Minuten stellen.

Setz Dich bequem hin und beobachte Deine Atmung.

Lass die Atmung tief und vollständig bis in den Bauchraum gehen.

Jedes Mal wenn Du etwas Negatives denkst, probierst du den Gedanken bewusst festzuhalten und dann in Dein Buch niederzuschreiben. Dahinter schreibst Du: „Ist das wahr???“

Wiederhol den Gedanken dann noch mal in Dir und probier zu untersuchen, ob das wirklich stimmt was du denkst. Notier dann auch Deine Beobachtungen und Anmerkungen dazu.

Versuch danach den negativen Gedanken in sein positives Gegenteil zu verwandeln.

Wenn Du beispielsweise gedacht hast: „ Ich bin auch selber Schuld, immer bin ich so vergesslich…“, könntest Du Dir stattdessen besser sagen: „ In jedem Moment gebe ich mein Bestes.“

Das tust Du doch, oder? Niemand vergisst etwas mit Absicht, also brauchst Du Dich dafür auch nicht innerlich abzustrafen.

Schreibe den neuen Satz in einer auffälligen Farbe, z.B. Rot neben den negativen.

Verabschiede Dich dann bewusst von der alten negativen Denkweise, umarm sie noch eben und sag Dir dann voller Vertrauen, dass Du auf dem Weg bist um Dich weiter zu entwickeln und Du diese Negativität nicht mehr brauchst.

Streiche die negative Aussage dann mit dem rotem Stift (oder welche Farbe Du auch für Dich gewählt hast.) richtig dick und fett durch.

Wie fühlt sich das an, wenn Du jetzt in Deinem Kopf die neue positive Aussage wiederholst?

Vielleicht kommt gleich wieder ein neuer negativer Gedanke.

Stoppe dann auch hier wieder bewusst. Schreib ihn nieder und notier dahinter :“Stimmt das wirklich?“

Wiederhole den Prozess des Untersuchen und Umkehren der Gedanken.

Beobachte auch was mit Dir und Deinem Körper passiert.

Verkrampfst Du innerlich? Atmest Du noch tief?

Entspanne Dich bewusst durch immer wieder zur tiefen Atmung zurückzukehren.

Versuche so eine ganze halbe Stunde Dich selber zu beobachten und all die Urteile die in Deinem Kopf passieren auf ihren Wahrheitsgehalt zu untersuchen.

Wir selbst sind unsere größten Kritiker

Versuch ganz bewusst immer sanfter mit Dir selber zu werden und lieber positive Affirmationen in Deinem Bewusstsein zu pflanzen als Negative.

Warum erzählen wir uns immer wieder wie schlecht wir sind und fast nie wie toll?

Ich wünsche Dir viel Spass beim Umdenken;-)

und nehme auch diese Übung nicht zu ernst… Denk daran:“Lachen ist die beste Medizin!“

Wir bleiben immer in ständiger Veränderung, wir sind nie fertig bis wir unseren letzten Atemzug nehmen.

Darum schmeiss noch heute den Perfektionismus über Bord und beginne wieder Dein innerliches Kind zu entdecken. 

Ich höre gerne von Deinen Erfahrungen dabei auf meiner Facebookseite!

Namaste, Yogalexa

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